Wenn in etwas weniger als drei Jahren die Farbe Blau auf die Farbe Rot trifft, geht es nicht etwa um einen Kampf zwischen Himmel und Hölle (wobei…) oder den Verlagen DC und Marvel, sondern um die Wahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die beiden Farben stehen symbolisch – wenngleich nicht offiziell – für die beiden großen Parteien im Rennen um die Präsidentschaft: die Demokraten (blau) und die Republikaner (rot).
Neben den Farben haben die Parteien auch Wappentiere. Obwohl nie offiziell anerkannt, nutzen beide Parteien diese traditionell als Symbole: Der Esel steht für die Demokraten, der Elefant für die Republikaner. Die Republikaner halten den Esel für dumm und stur. Die Demokraten hingegen sehen in ihm ein bescheidenes, mutiges und hart arbeitendes Tier. Umgekehrt betrachten die Demokraten Elefanten als langsam und schwerfällig, während die Republikaner ihr Symbol als Zeichen von Intelligenz, Würde und Stärke verstehen. Dass sich diese inoffiziellen Wappentiere bis heute halten, ist maßgeblich dem deutsch-amerikanischen Karikaturisten Thomas Nast zu verdanken.

Thomas Nast entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft fürs Zeichnen. Er wuchs in einer armen Familie in Landau auf, wo sein Vater als Musiker arbeitete. Mit sechs Jahren wanderte er mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Amerika aus. Die neue Sprache und Kultur machten ihm zunächst zu schaffen. Er verließ die Schule früh und besuchte stattdessen eine Malschule, um sein Talent zu entwickeln. Mit dem Traum, Illustrator zu werden, bewarb er sich bei „Frank Leslie’s Illustrated Newspaper“. Seine Arbeitsproben überzeugten – er wurde eingestellt und begann seine Karriere als politischer Karikaturist.
Dort lernte er die Technik des Holzschnitts. Große Bilder wurden in kleine Teile zerlegt und konnten so schnell zusammengesetzt werden. Nach einer kurzen Pause wechselte er zur „New York Illustrated News“, die ihn nach Europa schickte. Dort berichtete er über bedeutende Ereignisse – den Boxkampf zwischen Heenan und Sayers in England und Garibaldis Freiheitskampf in Italien. Nach seiner Rückkehr nach Amerika heiratete er Sarah Edwards, die ihm bei seinen Karikaturen half. Sie bekamen fünf Kinder.
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Der Esel der Demokraten entstand 1828, als Andrew Jacksons Gegner ihn als solchen bezeichneten. Zeitungskarikaturisten griffen das Motiv auf. Jackson gewann die Präsidentschaftswahl und gilt als Gründerfigur der demokratischen Parteibewegung. 1870 griff Thomas Nast den Esel wieder auf und etablierte ihn als Symbol der Demokraten in seinen politischen Cartoons.
Den Elefanten der Republikaner schuf Thomas Nast 1874 in einem Cartoon, in dem auch der Esel vorkam. Dieser jagte – mit einem Löwenpelz bekleidet – durch einen Zoo und verschreckte alle Tiere, darunter einen Elefanten mit der Aufschrift „The Republican Vote“ (Die Republikanische Stimme).


Thomas Nast verwendete beide Tiere in seinen politischen Cartoons für „Harper’s Weekly“ immer wieder als bildliche Verkörperungen der beiden großen Parteien. So etablierten sie sich als deren traditionelle Symbole.
Mit seinen Karikaturen über die Korruptionsaffären in der Tammany Hall unter William Tweed trug Thomas Nast zu dessen Sturz bei. (Dies wurde teilweise auch im Film „Gangs of New York“ thematisiert.) Für diese Karikaturen erhielt er Morddrohungen – doch die ließen ihn nicht von seinem Feldzug gegen Tweed abweichen.
Nast hatte auch darüber hinaus großen Einfluss auf die amerikanische Kultur. Er schuf oder popularisierte mehrere ikonische Symbole. Eines davon ist Uncle Sam, die Verkörperung der amerikanischen Regierung – oft dargestellt als alter Mann mit Sternenbanner-Anzug und Zylinder. Nast erfand Uncle Sam nicht, aber er verlieh ihm ein unverwechselbares Aussehen, das bis heute anhält.

Thomas Nast prägte zudem das moderne Bild des Weihnachtsmannes. Er zeichnete ihn als freundlichen, dicken Mann mit weißem Bart und rotem Anzug – inspiriert von der deutschen Legende des Sankt Nikolaus, der am 6. Dezember Geschenke an Kinder verteilt. Nast zeigte den Weihnachtsmann in verschiedenen Situationen: beim Besuch der Soldaten im Bürgerkrieg oder beim Überprüfen seiner Liste der braven und unartigen Kinder. Seine Darstellung beeinflusste die Kultur weltweit. Der Weihnachtsmann wurde zum Symbol der Freude, des Friedens und der Großzügigkeit. Nast verband ihn auch mit dem Nordpol, den Rentieren und dem Schlitten. Andere Künstler und Medien übernahmen seine Bilder, die sich schnell verbreiteten. So trug er dazu bei, dass der Weihnachtsmann zur festen Tradition wurde – eine Tradition, die bis heute anhält.

Während des Kalten Krieges benannten die amerikanischen Streitkräfte eine Raketenstation in der Nähe von Landau ihm zu Ehren „Camp Thomas Nast“. 1902 starb Nast im Alter von 62 Jahren an Gelbfieber, das er sich in Ecuador zugezogen hatte – dorthin hatte ihn Theodore Roosevelt im selben Jahr als Generalkonsul entsandt. Thomas Nast wurde auf dem Woodlawn-Friedhof in New York beigesetzt.
Disclaimer: Ursprünglich erschien dieser Beitrag auf der Seite Comic-Community. Er wurde für Wiederveröffentlichung hier im Blog geringfügig angepasst.