95 Jahre Pluto: Disney-Legende auf vier Beinen

Heute, am 5. September 2025, feiert eine der bekanntesten Disney-Figuren ein ganz besonderes Jubiläum: Pluto wird 95 Jahre alt! Als treuer vierbeiniger Begleiter von Micky Maus hat dieser charaktervolle Hund Generationen von Fans weltweit begeistert. Was macht Pluto so besonders im Disney-Universum? Tauchen wir ein in die faszinierende Geschichte eines Hundes, der – ohne ein Wort zu sprechen – durch pure Animation zum Star wurde.

  1. Die Entstehung einer Legende auf vier Beinen
  2. Die Namensgeschichte: Von „Rover“ zu „Pluto“
  3. Was macht Pluto so besonders?
  4. Von der Nebenfigur zum Disney-Star: Plutos Aufstieg
  5. Plutos Familie, Freunde und Gegner
  6. Pluto in TV-Serien
  7. Plutos kulturelles Erbe
  8. Urheberrecht und Zukunft
  9. Fazit: 95 Jahre und kein bisschen leise

Die Entstehung einer Legende auf vier Beinen

Plutos Geschichte begann am 5. September 1930 im Zeichentrickfilm „Die Sträflingskolonne“ („The Chain Gang“), wo er zunächst als namenloser Bluthund auftrat. Walt Disney persönlich und der Animationskünstler Norm Ferguson erschufen diese ikonische Figur. Seinen endgültigen Namen „Pluto“ erhielt er erst im Film „Die Elchjagd“ („The Moose Hunt“) vom 30. April 1931, wo er auch seinen einzigen Sprechpart mit den Worten „Kiss me!“ („Küss mich!“) hatte. Nach diesem kurzen verbalen Auftritt kommunizierte er ab dem Film „Minnies Blues“ („Blue Rhythm“, 1931) nur noch durch Bellen und Knurren.

Der namenlose Bluthund aus „Die Sträflingskolonne“ | Quelle: Fandom

Frank Thomas und Ollie Johnston berichten, dass Disney beim Beschreiben von Plutos Szenen Hunde aus seiner Kindheit nachahmte und deren Eigenarten vorspielte – zur großen Belustigung der Belegschaft. Ferguson übertrug diese lebendigen Demonstrationen meisterhaft in seine Animationen.

Die Namensgeschichte: Von „Rover“ zu „Pluto“

Bevor er zu „Pluto“ wurde, durchlief der Charakter interessante Namenswechsel. In seinem zweiten Auftritt im Film „Picknick im Grünen“ („The Picnic“, 23. Oktober 1930) hieß er noch „Rover“ und gehörte Minnie Maus, nicht Micky. Der Disney-Animator Ben Sharpsteen erklärt, dass der Name „Pluto“ gewählt wurde, weil „Rover“ als zu gewöhnlich galt.

Der zuvor namenlose Hund tritt in „Die Elchjagd“ erstmals als Pluto auf. | Quelle: Fandom

Zur Herkunft von Plutos Namen existieren verschiedene Theorien: Manche Animatoren vermuteten eine Verbindung zum damals neu entdeckten Planeten Pluto. Animationshistoriker John Canemaker berichtet hingegen, Disney habe den Namen gewählt, weil er selbst früher einen Hund namens Pluto besaß.

Besonders interessant ist die Aussage von Venetia Burney, dem elfjährigen Mädchen, das dem Planeten seinen Namen gab. In einem Interview stellte sie klar, dass die Disney-Figur nach dem Himmelskörper benannt wurde, nicht umgekehrt. Sie hatte den Planeten aufgrund ihres Interesses an römischer und griechischer Mythologie nach Pluton benannt – dem Gott der Unterwelt, der dem griechischen Hades entspricht. Der Himmelskörper verlor übrigens 2006 seinen Planetenstatus und gilt seitdem als Zwergplanet.

Was macht Pluto so besonders?

Anders als andere Disney-Figuren wie Goofy (ebenfalls ein Hund) wurde Pluto nie vermenschlicht dargestellt. Er bewegt sich auf allen vieren, trägt keine Kleidung und spricht nicht. Seine Persönlichkeit wird einzig durch Körpersprache und ausdrucksstarke Mimik vermittelt – eine kreative Herausforderung, die die Animatoren brillant bewältigten. Pluto ist grundsätzlich ein gutmütiger und fröhlicher Hund, kann aber schnell in Panik geraten, wenn er mit etwas Unbekanntem konfrontiert wird oder extrem eifersüchtig werden, wenn sein Herrchen anderen Tieren mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Pluto (links im Bild) neben den anthropomorphen Charakteren aus Entenhausen, hier im Film „Micky, Donald, Goofy – Die drei Musketiere“ | Quelle: Fandom

Mit Pluto revolutionierte Norm Ferguson die Charakteranimation. Er entwickelte das Prinzip des „Follow through and overlapping action“, bei dem sich verschiedene Körperteile zeitversetzt und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. Besonders eindrucksvoll ist die legendäre Fliegenpapier-Szene im Film „Pluto will spielen“ („Playful Pluto“, 1934), in der Pluto mit einem an seinem Hinterteil klebenden Fliegenfänger kämpft. Diese 65-sekündige Sequenz gilt als Meilenstein der Animation, da sie erstmals den Eindruck erweckte, dass eine Zeichentrickfigur tatsächlich nachdenkt.

Von der Nebenfigur zum Disney-Star: Plutos Aufstieg

Nach seinen ersten Auftritten in Micky-Maus-Filmen bekam Pluto 1937 seine eigene Filmreihe, beginnend mit „Plutos freche Fünflinge“ („Pluto’s Quin-Puplets“). Bereits 1932 hatte er einen früheren Soloauftritt im Silly Symphonies-Cartoon „Hunde“ („Just Dogs“), in dem er aus einem Zwinger flieht. Seine offizielle Solokarriere startete jedoch erst 1940 mit dem Cartoon „Pluto und der Knochen“ („Bone Trouble“). Zwischen 1930 und 1953 war er in insgesamt 89 Kurzfilmen zu sehen. Mehrere dieser Filme wurden für einen Oscar nominiert, darunter „Pluto der Jagdhund“ („The Pointer“, 1939), „Squatter’s Rights“ (1946), „Pluto singt den Blues“ („Pluto’s Blue Note“, 1947) und „Micky und der Seehund“ („Mickey and the Seal“, 1948). Seinen größten Erfolg feierte er mit „Der herzlose Retter“ („Lend a Paw“, 1941), der 1942 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Pluto wird von seinen fünf Welpen in „Plutos freche Fünflinge“ auf Trapp gehalten. | Quelle: Fandom

Sein Debüt in Comics hatte Pluto am 8. Juli 1931 im Micky-Maus-Comic-Strip von Floyd Gottfredson, wo er zunächst als Streuner auftrat, der Micky nach Hause folgt, um dessen Rieseneis zu vertilgen. Vom 14. August 1938 bis zum 3. November 1940 war er mit Unterbrechungen der Star der Silly Symphony-Sonntagsseiten. 1942 erschien mit „Pluto und die Zeitbombe“ („Pluto Saves The Ship“) sein erstes gewidmetes Comic-Werk, zu dessen Autoren Carl Barks gehörte.

Plutos Familie, Freunde und Gegner

Im Laufe der Jahre wurde Plutos Charakter weiterentwickelt und erhielt eine eigene Familie. Er hat einen Sohn namens Pluto Junior (seit 1942) sowie vier weitere Welpen, die als „Plutos freche Fünflinge“ bekannt sind. In „Pluto’s Kid Brother“ (1946) taucht auch sein Bruder K.B. auf. In seinem Liebesleben hatte Pluto mehrere Gefährtinnen, darunter die Dackeldame Dinah (Dinah the Dachshund) und die Pekinesin Fifi (Fifi the Peke), die er erstmals 1933 im Cartoon „Puppy Love“ traf.

Plutos wiederkehrende Gegenspieler umfassen die Bulldogge Butch (Butch the Bulldog), die nicht nur für Unruhe sorgt, sondern auch um Dinahs Zuneigung buhlt. Weitere Konkurrenten sind das Kätzchen Figaro, Ahörnchen und Behörnchen (heute besser bekannt als Chip und Chap) sowie die Biene Summsumm (Buzz-Buzz, auch als Spike bekannt). Interessanterweise feierten Chip und Chap ihr Debüt im Pluto-Cartoon „Pluto wird Soldat“ („Private Pluto“, 1943).

Pluto und Figaro in „Minnies Erste-Hilfe-Kurs“ (1944) | Quelle: Fandom

Pluto in TV-Serien

Seit den 1950er Jahren war Pluto in zahlreichen Disney-Fernsehserien zu sehen. Besonders präsent war er im „Mickey Mouse Club“ (1955-1996), wo er als fester Bestandteil dieser beliebten Kindersendung in verschiedenen Formaten auftrat. Er warb in dieser Zeit auch im Fernsehen für Produkte wie den AMC Nash von American Motors.

In der deutschen Version des Titelsongs von „DuckTales – Neues aus Entenhausen“ (1987) werden Pluto und Goofy in einer Zeile erwähnt („V-V-V-Vorsicht es geht ab hier, Pluto und Goofy, alle sind bei dir.“). Interessanterweise taucht keine der beiden Figuren jemals in der eigentlichen Serie auf.

In der computeranimierten Vorschulserie „Micky Maus Wunderhaus“ („Mickey Mouse Clubhouse“, 2006-2016) gehörte Pluto zur Hauptbesetzung und begleitete Micky bei pädagogischen Abenteuern. Die Kurztrickserie „Micky Maus“ („Mickey Mouse“, 2013-2019) brachte ihn im Retrostil zu seinen klassischen Wurzeln zurück. Bei „Micky und die flinken Flitzer“ („Mickey and the Roadster Racers“, 2017-2021) spielte er als Mitglied von „Team Micky“ eine wichtige Nebenrolle bei den Rennabenteuer.

Pluto und die Gang im Stile Paul Rudishs, zu sehen in den Trickserien „Micky Maus“ und „Die wunderbare Welt von Micky Maus“. | Quelle: Fandom

In der Serie „Die wunderbare Welt von Micky Maus“ („The Wonderful World of Mickey Mouse“, seit 2020), einer Fortsetzung von „Micky Maus“, ist Pluto wieder regelmäßig an Mickys Seite zu sehen. In der neuesten Vorschulserie „Micky Maus Spielhaus“ („Mickey Mouse Funhouse“, seit 2021) wurde er als wichtiger Charakter etabliert, wo er mit Micky und seinen Freunden interaktive Abenteuer erlebt. Bei „Chip und Chap: Das Leben im Park“ („Chip ’n‘ Dale: Park Life“, seit 2021) tritt er gelegentlich als Nebenfigur auf.

In all diesen Adaptionen bleibt Pluto seinem Ursprung treu – er spricht nicht, zeigt aber durch ausdrucksstarke Animation und Verhalten eine unverwechselbare Persönlichkeit. Die neueren Serien legen besonderen Wert darauf, seine klassischen Charakterzüge zu bewahren, während sie ihn für neue Generationen von Disney-Fans zugänglich machen.

Plutos kulturelles Erbe

Pluto zählt zusammen mit Micky Maus, Minnie Maus, Donald Duck, Daisy Duck und Goofy zu den „Sensational Six“ – den sechs berühmtesten Figuren des Disney-Universums. Unter diesen sechs nicht-menschlichen Charakteren ist Pluto allerdings der einzige, der nicht anthropomorph dargestellt wird.

Pluto neben den anderen Mitgliedern der „Sensational Six“ in der Serie „Micky Maus Wunderhaus“ | Quelle: Fandom

Plutos kultureller Einfluss ist beachtlich: In Disney-Themenparks weltweit tritt er als interaktive Figur auf, erscheint in Videospielen, Fernsehserien und allen Micky-Maus-Formaten. Seit 1939 wurde Pluto auch als Werbefigur eingesetzt, zunächst im Film „Walt Disney’s Standard Parade for 1939″ und später für Marken wie Nabisco. Während des Zweiten Weltkriegs wurde seine Beliebtheit für Kriegspropaganda-Produktionen genutzt, um die Spendenfreudigkeit der Amerikaner zu fördern. Nach einer längeren Abwesenheit kehrte er 1990 mit „Prinz und Bettelknabe“ („The Prince and the Pauper“) zur Kinoanimation zurück und war danach in mehreren Direct-to-Video-Produktionen zu sehen.

Urheberrecht und Zukunft

Ein interessanter Aspekt von Plutos Geschichte betrifft das Urheberrecht. 1998 wurde Disneys Copyright an Pluto, das Ende 2005 auslaufen sollte, durch die Verabschiedung des Sonny Bono Copyright Term Extension Act um weitere 20 Jahre verlängert. Disney setzte sich zusammen mit anderen Studios für dieses Gesetz ein, um ihre Urheberrechte an ikonischen Figuren zu bewahren.

Nach aktuellem US-Urheberrecht werden Plutos früheste Auftritte Anfang 2026 gemeinfrei. Allerdings wird Pluto, wie alle Disney-Figuren, weiterhin als Marke von Disney geschützt bleiben, und Markenzeichen laufen nicht ab, solange der Rechteinhaber sie aktiv nutzt.

Fazit: 95 Jahre und kein bisschen leise

Nach 95 Jahren bleibt Pluto eine der beliebtesten Disney-Figuren aller Zeiten. Seine Einfachheit, sein ausdrucksstarkes Gesicht und sein verspielter Charakter haben ihn zu einem zeitlosen Klassiker gemacht. Obwohl er fast nie ein Wort gesprochen hat, hat er durch die Kunst der Animation eine deutliche Stimme erhalten, die Generationen von Zuschauern berührt hat.

Als Pionier der Charakteranimation hat Pluto einen unauslöschlichen Eindruck in der Geschichte des Animationsfilms hinterlassen. Seine Abenteuer haben uns zum Lachen gebracht, uns gerührt und uns gezeigt, dass manchmal die einfachsten Charaktere die tiefgründigsten sein können.

Auf die nächsten 95 Jahre mit dem treuesten Hund von Disney!

Geburtstagskind Pluto | Quelle: Fandom

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