Superman: Hoffnung statt Missverständnis

Seit der Veröffentlichung des Teaser-Trailers zu James Gunns „Superman“ sorgen die sogenannten Snyder Bros erneut für Aufsehen. Unter beinahe jedem Facebook-Beitrag zum Film tauchen hämische Kommentare und lachende Emojis auf.

Ich bin bekanntermaßen ein großer Freund davon, unterschiedliche Interpretationen einer Figur genießen zu können – solange sie stimmig umgesetzt sind. Tatsächlich konnte ich bislang jeder Superman-Adaption, sei es Film oder Serie, etwas abgewinnen. Eine Ausnahme bildet jedoch Zack Snyders „Man of Steel“, der Auftakt seines DCEU. Für mich war dieser Film ein radikaler Bruch mit der Essenz von Superman.

Der Teaser zu Gunns „Superman“ vermittelt mir hingegen das Gefühl, dass James Gunn diese Essenz versteht – etwas, das Zack Snyder meiner Meinung nach nie gelungen ist. Das soll nicht heißen, dass Snyders Filme technisch schlecht wären. Sie sind visuell beeindruckend, doch inhaltlich verfehlen sie das Wesentliche. Die DC-Charaktere wurden in Snyders Vision oft so stark verfremdet, dass ich keine Verbindung mehr zu den Comicvorlagen spüren konnte.

  1. Henry Cavill als Superman – ein Streitpunkt
  2. Das Problem mit „Man of Steel“
  3. Batmans Prinzipien und ihre Missachtung
  4. Fehlinterpretationen und ihre Folgen
  5. Hoffnung auf einen neuen Superman

Henry Cavill als Superman – ein Streitpunkt

Viele Snyder Bros sehen in Henry Cavill den idealen Superman. Ich teile diese Ansicht nicht. Das liegt teils an Cavills oft ausdrucksloser Darstellung – weder als Superman noch als Clark Kent konnte er mich überzeugen. Viel schwerer wiegt jedoch Zack Snyders Interpretation der Figur. Mein Eindruck ist, dass viele der Snyder-Anhänger die Comicvorlagen kaum kennen. Stattdessen verbreiten sie Memes und werfen Fans, die sich auf James Gunns neuen Ansatz freuen, vor, keine „wahren“ Superman-Fans zu sein.

Ironischerweise sind es oft gerade sie, die in den sozialen Netzwerken am lautesten poltern – und dabei offenbaren, wie wenig sie Superman tatsächlich verstehen. Es scheint fast, als habe „Man of Steel“ und das daraus resultierende Snyderverse ein neues, toxisches Fandom hervorgebracht – vielleicht das größte seit „Star Wars“. Man mag sich kaum ausmalen, wie viele Morddrohungen James Gunn in diesem Zusammenhang bereits erhalten hat.

Doch wenn Henry Cavill für die Anhänger des Snyderverse der ideale Superman ist, ist das völlig in Ordnung. Niemand nimmt ihnen diese Version weg; die Filme existieren weiterhin und können jederzeit wieder angesehen werden.

Das Problem mit „Man of Steel“

„Man of Steel“ scheiterte für mich persönlich daran, dass er zu düster war, um als authentische Superman-Adaption zu funktionieren. Natürlich war nicht allein Snyder dafür verantwortlich. Das Drehbuch von David S. Goyer und Christopher Nolan trug entscheidend dazu bei. Nolans realistisch-düsterer Ansatz funktionierte hervorragend bei Batman, doch Superman verlangt einen anderen Ton. Die beiden Charaktere sind in den Comics Gegensätze – und genau das macht ihre Dynamik so faszinierend.

Superman steht für Hoffnung. Selbst in düsteren Geschichten wie „The Death of Superman“ bleibt dieses Element präsent. Doch im Snyderverse fehlte die Hoffnung fast vollständig oder wurde, wo sie vorkam, fehlinterpretiert. Ironischerweise gelang Snyders Darstellung von Hoffnung ausgerechnet in einer vielfach belächelten Szene aus „Batman v Superman“: der „Martha“-Szene.

In diesem Moment erkennt Batman das Menschliche in Superman. Er versteht, dass Superman unter Menschen aufgewachsen ist und sie beschützen will. Diese Erkenntnis hebt die Bedrohung auf, die Batman in Superman gesehen hatte, und lässt ihn die Hoffnung wahrnehmen, die von ihm ausgeht. Leider blieb dies eine seltene Ausnahme in Snyders Filmen.

Batmans Prinzipien und ihre Missachtung

Snyders Interpretation von Hoffnung geriet oft ins Extreme und entfernte sich stark von der Comicvorlage. Ein besonders prägnantes Beispiel ist Batmans Entscheidung, Superman in „Justice League“ wiederzubeleben. Obwohl ich die Motivation hinter dieser Handlung verstehe, widerspricht sie Batmans Grundsätzen.

In den Comics weigert sich Batman konsequent, seine Eltern wiederzubeleben, da dies ein Tabuthema für ihn ist. Selbst als Robin in der „Teen Titans“-Comicreihe von 2003 erfolgreich Superboy von den Toten zurückbrachte, führte dies zu einem heftigen Streit zwischen ihm und Batman. Für Batman sind Wiederbelebungen ebenso inakzeptabel wie das Töten – beides verletzt seine Prinzipien zutiefst. Die Entscheidung, Batman im Snyderverse genau diesen Fehler begehen zu lassen, zeigt erneut, wie wenig diese Vision die Figuren verstand.

Fehlinterpretationen und ihre Folgen

Auch andere Charaktere litten unter der Herangehensweise des Snyderverse. Flash erinnerte in seiner Darstellung stärker an Wally West als an Barry Allen, und Aquaman wirkte oft deplatziert und wenig überzeugend. Selbst Wonder Woman, die insgesamt am stimmigsten umgesetzt war, offenbarte spätestens in Snyders Schnittversion von „Justice League“ deutliche Schwächen. Diese inkonsistenten Charakterdarstellungen hinterließen ein schweres Erbe für die Nachfolgeautoren und -regisseure. Denn selbst die besten Kostüme können nicht darüber hinwegtäuschen, wenn die Figuren und ihre Lore nicht verstanden werden.

Hoffnung auf einen neuen Superman

James Gunn hat nun die Chance, Superman neu zu definieren und ihn wieder als Hoffnungsträger zu etablieren. Der Teaser-Trailer deutet darauf hin, dass er diesen Ansatz verfolgt. Ich freue mich darauf, Superman endlich wieder in einer Version zu sehen, die seiner wahren Natur gerecht wird.

Der Teaser zu „SUPERMAN“ von KinoCheck

Im Download-Bereich könnt Ihr meine Wallpaper zum Film „SUPERMAN“ finden.

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