75 Jahre Humphrey the Bear – Ein Disney-Bär macht Geschichte

Am 3. November 1950 betrat ein besonderer Charakter erstmals die Leinwand: Humphrey the Bear, im deutschsprachigen Raum als Harry bekannt. Dieser charmante Braunbär aus dem Brownstone National Park wurde zu einem von nur sieben Disney-Charakteren, die eine eigene Filmreihe mit eigenem Logo erhielten – eine Ehre, die er sich mit Micky Maus, Donald Duck, Goofy, Pluto, Chip ’n‘ Dale und Figaro teilt.

  1. Die Anfänge
  2. Persönlichkeit und Charakterzüge
  3. Die goldene Ära der Kurzfilme
  4. Kultureller Einfluss
  5. Auftritt in anderen Serien
  6. Humphrey in Comics
  7. Humphrey heute

Die Anfänge

Humphrey debütierte im Goofy-Kurzfilm „Goofys Fotos“, in dem Goofy verzweifelt versuchte, den Bären zu fotografieren. Walt Disney und Regisseur Jack Hannah schufen die Figur gemeinsam. Drei Jahre später erweckte Hannah den Bären in „Donald auf Bärenjagd“ (1953) zu neuem Leben – diesmal als Gegenspieler von Donald Duck.

Humphreys erster Auftritt – hier noch ohne Namen – war im Goofy-Cartoon „Goofys Fotos“. | Bildquelle: D23

Hannah erklärte später, das Team habe etwas Neues ausprobieren wollen und Donald mit einem Bären kombiniert – mit sofortigem Erfolg. Zunächst hatte der Bär keinen Namen. Erst als weitere Auftritte geplant wurden und man ihn in einem Nationalpark ansiedelte, erhielt er den Namen Humphrey.

Persönlichkeit und Charakterzüge

Humphrey ist ein großer, opportunistischer Braunbär, der im Brownstone National Park sein Unwesen treibt. Anders als die meisten Disney-Figuren spricht er nicht – stattdessen drückt er seine Emotionen durch unartikulierte Grunzlaute aus. Diese wurden ursprünglich von Disney-Mitarbeiter Jimmy MacDonald gesprochen. In späteren Produktionen übernahmen Frank Welker und Jim Cummings diese Rolle.

Der Bär ist ständig auf der Suche nach Nahrung oder Unterschlupf bei ahnungslosen Parkbesuchern und verstößt dabei regelmäßig gegen die Parkregeln. Eine seiner charakteristischen Eigenschaften: Wenn er in Panik gerät, rennt Humphrey verzweifelt auf der Stelle – seine Füße laufen scheinbar in alle Richtungen gleichzeitig. Seine Gegenspieler sind meist Donald Duck oder der übereifrige Parkwächter J. Audubon Woodlore, gesprochen von Bill Thompson.

Humphrey und Donald Duck in „Das Bärenparadies“. | Bildquelle: Fandom

Die goldene Ära der Kurzfilme

Zwischen 1950 und 1956 entstanden insgesamt acht Kurzfilme mit Humphrey:

  • „Goofys Fotos“ (Hold That Pose, 1950) – Goofy-Kurzfilm, Humphreys Debüt
  • „Donald auf Bärenjagd“ (Rugged Bear, 1953) – Erster Donald-Duck-Film mit Humphrey
  • „Das Bärenparadies“ (Grin and Bear It, 1954) – Donald Duck vs. Humphrey
  • „Bärenmüde“ (Bearly Asleep, 1955) – Humphrey stört Donalds Winterschlaf
  • „Der Honigdieb“ (Beezy Bear, 1955) – Humphrey als Honigdieb
  • „Der fischende Bär“ (Hooked Bear, 1956) – Erster Film der Humphrey-Serie
  • „Volle Taschen“ (In the Bag, 1956) – Zweiter und letzter Film der Humphrey-Serie

1955 erhielt Humphrey seine eigene Serie, doch bereits 1956 stellte Disney die Produktion von Kurzfilmen für das Kino ein. Die Humphrey-Cartoons wurden vom Kritiker Leonard Maltin als „Belly-Laugh-Komödien“ bezeichnet, die sich mit den besten Produktionen von MGM und Warner Brothers messen können – ein außergewöhnliches Lob für Disney-Produktionen dieser Zeit.

„Volle Taschen“ war der zweite und letzte Film aus Humphreys eigener Kurzfilm-Reihe. | Bildquelle: Fandom

Kultureller Einfluss

Humphreys Einfluss auf die Popkultur sollte nicht unterschätzt werden. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass das Hanna-Barbera-Studio bei der Erschaffung von Yogi Bear (ab 1958) von Humphrey inspiriert wurde. Die Parallelen sind unverkennbar: Beide sind Bären in Nationalparks, beide stehlen Essen von Besuchern, und beide haben es mit einem Parkwächter zu tun. Besonders interessant: Jack Hannah, der bei den Humphrey-Kurzfilmen Regie führte, griff die Idee des „dummen Bären“ auch für Walter Lantz‘ „Fatso the Bear“-Cartoons (1960-1961) wieder auf.

In meinem Fanart vom 17. Mai 2025 habe ich Humphrey und Yogi Bär und ihre jeweiligen Park Ranger aufeinander treffen lassen. Die Story dahinter war diese: Humphrey und Yogi Bär entdeckten die Grenze zwischen ihren Parks und tauschten neugierig die Reviere. Die Ranger bemerkten dies schnell, fingen die beiden ein und tauschten sie an der Grenze wieder aus. Zum Instagram-Beitrag

Auftritt in anderen Serien

Obwohl die klassische Ära der Humphrey-Cartoons kurz war, blieb die Figur im Bewusstsein der Disney-Künstler präsent. Eine spätere Generation von Animatoren und Regisseuren integrierte Humphrey in zahlreiche TV-Produktionen:

  • „Micky Maus Club“ (Mickey Mouse Club, 1955-1994) – Humphrey hält das Trampolin für Mickys Sprung
  • „Chip und Chap – Die Ritter des Rechts“ (Chip ’n Dale Rescue Rangers, 1989)
  • „Goofy und Max“ (Goof Troop, 1992)
  • „Neue Micky Maus Geschichten“ (Mickey Mouse Works, 1999-2000) – Drei neue Kurzfilme mit Donald
  • „Mickys Clubhaus“ (House of Mouse, 2001-2002)
  • „Micky Maus Wunderhaus“ (Mickey Mouse Clubhouse, 2006)
  • „Die Legende der Drei Caballeros“ (Legend of the Three Caballeros, 2018) – Humphrey als wiederbelebter Bärenteppich
  • „Chaos im Netz“ (Ralph Breaks the Internet, 2018) – Cameo-Auftritt
  • „Once Upon a Studio“ (2023) – Jubiläums-Kurzfilm zum 100. Disney-Geburtstag
  • „Ein wunderbarer Herbst mit Micky Maus“ – Humphrey hat einen musikalischen Auftritt
Humphrey in „Die Legende der Drei Caballeros“ (links) und „Ein wunderbarer Herbst mit Micky Maus“ (rechts) | Bildquelle: Fandom

Humphrey in Comics

Auch in der Comic-Welt fand Humphrey seinen Platz. Sein Comic-Debüt hatte er 1959 in den USA, gezeichnet von Paul Murry. Tony Strobl schuf später zahlreiche Geschichten, in denen Humphrey oft gemeinsam mit Oma Duck auftrat und sich in der Nähe ihres Bauernhofs herumtrieb.

Der Story-Autor Ed Nofziger verfasste Skripte zu mehr als zwei Dutzend Comics mit Humphrey, die hauptsächlich vom argentinischen Jaime Diaz Studio umgesetzt wurden. Im deutschen Sprachraum, wo er als Harry bekannt ist, wurden bisher 31 Geschichten mit dem Bären veröffentlicht.

Humphrey in einem Comic von Paul Murry aus dem Jahr 1958. | Bildquelle: Inducks

Humphrey heute

Heute ist Humphrey die Werbefigur für Disney’s Wilderness Lodge Resort in Walt Disney World, Florida. Er ist zusammen mit Micky, Donald und Goofy auf dem Totempfahl in der Lobby zu sehen, und seine Merchandise-Artikel sind im Briar Patch Store im Magic Kingdom erhältlich.

75 Jahre nach seinem ersten Auftritt bleibt Humphrey the Bear ein liebenswerter Beweis dafür, dass manchmal die einfachsten Charaktere – ein hungriger Bär, der keine Worte braucht – die nachhaltigste Wirkung haben können. Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag, Humphrey!

In diesem Fanart zeige ich Humphrey wie in seinem Cartoon-Intro, allerdings im Stil seines Auftritts aus „Ein wunderbarer Herbst mit Micky Maus“.

Hinterlasse einen Kommentar